Logo
Amüsantes und
Wissenswertes
Wahrzeichen, Aussichtsturm, Richtstätte - die Sulberg-Warte
Betrachtet man den bekannten Merian-Stich von Duderstadt aus dem Jahre 1646 genauer, dann fällt auf den zweiten Blick ein Turm auf dem Hügel am linken Bildrand westlich vom Westerturm über der St.-Martini-Kapelle ins Auge. Er zeigt die Kontur der Sulberg-Warte, die auch heute noch den aus Westen kommenden Reisenden begrüßt. Der Wartturm trägt heute wieder ein spitzes Dach, das offenbar schon zu Merians Zeiten verschwunden war, das aber historisch belegt ist durch archäologische Grabungen bei der Renovierung der Warte 1998, die von der Stadt durchgeführt und vom Förderkreis für Denkmal- und Stadtbildpflege und weitere Bürgerspenden gefördert wurden. Vor der Warte fanden sich Dachziegel - "Mönch und Nonne" - aus der Zeit der Erbauung um 1400.
Die Sulbergwarte nach der Renovierung
Die Sulbergwarte nach der Renovierung
Es war nicht die erste Renovierung für die Warte - schon 1891 hatte der Duderstädter "Verschönerungsverein" den Erhalt als historisches Wahrzeichen gefordert, aber in einem "zeitgemäßen" Umbau, den Wünschen vieler Einwohner entsprechend "als Aussichtsthurm". Im September 1892 war dieser Umbau, der dem Turm einen ebenerdigen Eingang bescherte, nahezu abgeschlossen.
Die Wertschätzung der Warten als historische Denkmale wuchs erst langsam im Lauf des 19. Jahrhunderts. Noch 1838 hatte der Graf von Wintzingerode auf Burg Bodenstein über die Wehnder Warte geurteilt, sie habe "keinerlei historischen Wert". Schon im 18. Jahrhundert nutzte die Stadt die Steine aus dem Abbruch der Tettelwarte, um die Brehme einzufassen, oder gestattete einem Mieter, die Steine zu benutzen, um einen Morast zu füllen.
Einige Warten überlebten durch einen Funktionswandel - als Forst- und Gasthäuser, wie die Rote Warte oder die Nesselröder Warte. Von anderen Warten zeugen nur noch Geländespuren, wie bei der Pferdebergswarte.
Die zwölf nachgewiesenen Warten um die Stadt waren einander alle sehr ähnlich: sie waren zu einer Höhe von 8 bis 12 Meter ausgemauert, kreisrund, mit einem Einstieg, der nur über eine Leiter zu erreichen war.
Die Sulberg-Warte zeichnete sich aber von all den anderen Warten durch eine Besonderheit aus - 175 Meter nordöstlich von dem Gebäude befand sich die Gerichtsstätte der Stadt Duderstadt. Wegen der Verpflichtung der Mingeröder Einwohner, bei der Errichtung des Galgens mitzuwirken, gab es viel Streit zwischen der Stadt und ihrem Dorf, der im 18. Jahrhundert eskalierte, wie in der Chronik von Mingerode ausführlich nachzulesen ist. Damit niemand wegen der Berührung mit dem Galgen Unehre, Hohn, Spott und soziale Verachtung auf sich zog, mussten alle Zimmerleute aus Stadt und Dörfern am Bau des Galgens mitwirken, und der Leiter der städtischen Baubehörde musste den "ersten Hau" tun. Für die Hinrichtung zweier Raubmörder wurde 1730 wieder einmal ein Neubau notwenig. Diesmal aber weigerten sich die Mingeröder, solange nicht die anderen Dörfer auch einmal in diese Pflicht genommen wurden. Der Rat, über die "Halsstarrigkeit und Ungehorsam" erbost, ließ 41 Mingeröder für 6 Tage "unter und über der Erde" arretieren - und erhielt von der Regierung in Heiligenstadt Recht: die Mingeröder mussten eine saftige Strafe zahlen und die Kosten für den Galgen, den städtische Arbeiter und Bewohner der Vorstädte inzwischen errichtet hatten, auch noch übernehmen.
 

Stadt Duderstadt
https://www.duderstadt.de


1075 Jahre Duderstadt
1075 Jahre Duderstadt
Veranstaltungen
[22.06.2018 - 23.09.2018]Dem Vergessen entrissen!
[20.09.2018 19:30 Uhr]Geschichten von Menschen und Zügen
[21.09.2018 21:00 Uhr]Erlebnisführung "Laterne, Horn und Hellebarde"
[22.09.2018 14:30 Uhr]Auf ein Stündchen mit dem Scharfrichter
[24.09.2018 09:00 Uhr - 15:00 Uhr]Karriereberatung der Bundeswehr
SuchenVeranstaltungenWeitere Termine