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Strafen und Zahlungsmoral im 16. Jahrhundert
Weggezogen, weggelaufen, um Erlass gebeten - die Duderstädter ließen sich im 16. Jahrhundert einiges einfallen, damit sie ihre Strafgelder für kleine Verstöße gegen die Statuten nicht bezahlen mussten. Ganz gleich ob Ratsherr, Handwerker oder Bauer, die Zahlungsmoral war nicht besonders gut.

Hatten die Bäcker zu kleine Brötchen gebacken, wurde bei Feierlichkeiten zu wild getanzt oder jemand in eine Schlägerei verwickelt, wurden diese Vergehen vom Ratsgericht mit einer Geldbuße geahndet. Dies galt auch, wenn Kühe, Schafe, Ziegen und Pferde auf fremde Weiden getrieben wurden und sich dort das frische Gras schmecken ließen. Für diese und andere Fehltritte der Bürger hatte das Ratsgericht einheitliche Strafgelder festgelegt, die für alle Bewohner - ob arm oder reich - galten. Alle Vergehen wurden zusammen mit dem Strafgeld und den Zahlungseingängen schriftlich festgehalten.
Bezahlen konnten die Duderstädter und die Bewohner der umliegenden Dörfer die Strafen mit Geld oder mit Naturalien wie Fischen, Hafer oder Korn. Frauen zahlten meist mit Leinwand. Es war auch möglich, die Strafen abzuarbeiten, indem man mit dem Wagen Fahrdienste für den Rat leistete oder Stroh schnitt.
Konnten die Strafgelder nicht auf einmal gezahlt werden, vereinbarte man Ratenzahlungen. In der frühen Neuzeit war es gängige Praxis, bei Gesuchen um Strafminderung oder Straferlass die soziale und finanzielle Situation des Übeltäters zu berücksichtigen. Laut Strafbuch wurde Hans Knippingk, der seine Schweine auf fremde Felder getrieben hatte, das Strafgeld mit den Worten erlassen "ist vorarmeth". Ebenso wurde verfahren, wenn die Missetäter "in armode gestorven" (verarmt gestorben) waren - oder die Erben mussten dafür aufkommen. Ein schwerer Schicksalsschlag wie ein Großfeuer galt ebenfalls als Grund für den Straferlass.
Belegt ist aber auch der Fall von Michel Junemann, dem angedroht wurde, die Strafe "ane gnade und behelp" zu verdoppeln, wenn er nicht innerhalb einer Frist von 14 Tagen sein Strafgeld entrichten würde. Philippus Morick hat die Stadt verlassen, nachdem er erklärt hat, dass er sein Strafgeld nicht bezahlen wolle. Auch andere wie Pancratius Kopmann sind weggezogen oder weggelaufen wie Hans Theypell, ohne ihre Schulden beim Rat beglichen zu haben.

Maria im Lindenzaun, Tagungsort des ehemaligen Westergerichts vor 1724
Maria im Lindenzaun, Tagungsort des ehemaligen Westergerichts vor 1724
In den meisten Fällen ging der soziale Umgang mit den Strafgeldern wohl zu Lasten des Rates, der am Ende eines jeden Jahres mit dem Vogt vom Rusteberg abrechnen musste. Eingenommen hat der Rat in den Jahren 1530 bis 1545 lediglich etwa die Hälfte der anfallenden Strafgelder, also etwa den Anteil, den der Vogt vom Rusteberg beanspruchte. Demnach blieb von den Strafgeldern für die Stadtkasse meistens nicht viel übrig.

Heike Bilgenroth-Barke
 

Stadt Duderstadt
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