Logo
Amüsantes und
Wissenswertes
Känguruh das Beuteltier - Industrie in Duderstadt im 20. Jahrhundert
"Känguruh das Beuteltier" war die Schutzmarke der Papierfabrik Gustav Gerlach, die seit 1878 in Duderstadt ihren Sitz hatte und zunächst in gemieteten Räumen, dann in einem eigenen Fabrikgebäude in der Benebenstadt, der heutigen Christian-Blank-Straße, produzierte. Der Fabrikant, der zuvor in der Papierfabrik C.F. Hertwig in Rhumspringe, mit Sitz Duderstadt, gearbeitet hatte, hatte einen neuen Geschäftszweig entdeckt: er produzierte geklebte Beutel und Tüten für den Einzelhandel. Zuvor war es üblich, dass Lehrlinge und Handlungsgehilfen am Feierabend die notwendigen Tüten für den Verkauf klebten - nun gab es industriell gefertigte Ware am Markt.

Zunächst produzierte Gerlach traditionell in Handkleberei vor allem in Heimarbeit, aber das änderte sich bald.

Foto: "Känguruh" das Beuteltier
"Känguruh" das Beuteltier
Die offensichtlich innovative und modernisierungsfreudige Firma hatte nicht nur den vierten Telefonanschluss in Duderstadt, sondern stellte auch bereits 1913 zur Energieerzeugung ein Dampffass auf. Bereits seit 1909 wurde der Betrieb auf Maschinenkleberei umgestellt und die Elektrifizierung eingeführt. "...heute arbeitet die Fabrik mit den modernsten Tüten- Beutel- und Druckmaschinen" - schreibt 1929 im 1000. Jubiläumsjahr begeistert der Stadtchronist Rektor Karl Wüstefeld. Die Rotationsdruckpresse konnte in der Stunde 50000 Beutel oder Tüten dreifarbig bedrucken, etwa 65 weitere Maschinen waren im Betrieb aufgestellt, der 80 Kleberinnen Arbeitsplätze bot. Aber noch 1929 war die Handklebung eine Spezialität des Hauses. Hauptabsatzgebiet der Papierwarenfabrik war Nordwest- und Mitteldeutschland. Zwischen 1900 und 1929 war der Betrieb beträchtlich erweitert worden, er hatte die benachbarte Brauerei Weber "geschluckt".
Trotz aller Modernität und Innovation - die kleineren Fabriken aus der zweiten Phase der Industrialisierung wurden in den frühen Nachkriegsjahren von den großen Betrieben überrundet und vom Markt verdrängt. Die letzte Inhaberin der Papierfabrik, Gustav Gerlachs Tochter Clara, künstlerisch vielseitig begabt, fand ein anderes Betätigungsfeld: nach der Tausendjahrfeier von 1929 begründete sie den Museumsverein und das Heimatmuseum (1931)und setzte sich mit großem Nachdruck für die Heimatbewegung sowie für die Denkmal- und Stadtbildpflege in Duderstadt ein. Sie starb einen Monat nach der Verleihung der ersten Heimatplakette durch den Landkreis Duderstadt im Oktober 1960 im 75. Lebensjahr.
 

Stadt Duderstadt
https://www.duderstadt.de


1075 Jahre Duderstadt
1075 Jahre Duderstadt
Veranstaltungen
[22.06.2018 - 23.09.2018]Dem Vergessen entrissen!
[20.09.2018 19:30 Uhr]Geschichten von Menschen und Zügen
[21.09.2018 21:00 Uhr]Erlebnisführung "Laterne, Horn und Hellebarde"
[22.09.2018 14:30 Uhr]Auf ein Stündchen mit dem Scharfrichter
[24.09.2018 09:00 Uhr - 15:00 Uhr]Karriereberatung der Bundeswehr
SuchenVeranstaltungenWeitere Termine