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Amüsantes und
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Duderstadt im Revolutionsjahr 1848
Das Jahr 1848 erschütterte fast ganz Europa - überall gab es Revolutionen gegen die bestehende Ordnung. Die Polen rebellierten gegen den Zaren und die russische Fremdherrschaft, die Italiener gegen den Papst, die Franzosen gegen ihr bourbonisches Königshaus. Auch in den meisten der 36 deutschen Bundesstaaten herrschte eine revolutionäre Stimmung.

Das Duderstädter Wochenblatt, seit 1815 gedruckt im Verlag Wagner in der Steinstraße 20, wandelte seinen Charakter: aus einem amtlichen Mitteilungsblatt wurde eine politische Zeitung, in der kontroverse Kommentare zu den Zeitereignissen erschienen - zunächst anonym, später auch namentlich gekennzeichnet. Die polnischen Revolutionäre fanden in Duderstadt wie in ganz Deutschland viel Sympathie, besondere Beachtung fanden auch die revolutionären Ereignisse in Berlin und die Flucht des Kronprinzen Wilhelm nach England. Die Stimmung in Duderstadt war gekennzeichnet einerseits von der Sympathie mit den revolutionären Forderungen des Bürgertums - Verfassung, Pressefreiheit, Nationalstaat und kommunale Selbstverwaltung - und der Furcht vor Aufständen und Gewalttaten der weitgehend rechtlosen Bauern, wie man sie im benachbarten Obereichsfeld beobachten konnte. So kam es in Duderstadt unter der Führung einiger Advokaten und Kaufleute zur Bildung einer Bürgerwehr und von Wahlvereinen, die in der Ständeversammlung in Hannover die Forderungen des Bürgertums artikulieren sollten.

Bild: Duderstädter Wochenblatt von 1848
Duderstädter Wochenblatt von 1848
Unruhen und Gewaltakte gab es in Stadt und Kreis Duderstadt nicht - sieht man einmal von einer kleinen Revolte ab, die sich gegen eine Einzelperson richtete. Bereits im Februar hatte die hannoversche Regierung den alten Bürgermeister, den Oberamtmann Hauss, durch den neuen Bürgermeister Jordan abgelöst. Hauss war unbeliebt, die Obrigkeit wollte einen Grund zum Aufruhr aus dem Wege schaffen. Noch unbeliebter war allerdings seine Haushälterin. Sie ebnete oder verschloss den Bürgern den Weg zum Bürgermeister, sie kontrollierte seine Post, sie übte einen unkontrollierten Einfluss auf seine Entscheidungen aus. Wie der zeitgenössischen Tänzerin Lola Montez am Königshof in München wurde ihr ein höchst unheilvoller Einfluss auf den Repräsentanten der Obrigkeit zugeschrieben - sie musste verschwinden und tat das auch. Als sie jedoch versuchte zurückzukehren, traf sie der Volkszorn. In einem Tumult wurde sie beschimpft, mit Steinen beworfen und gewaltsam vertrieben.

Bild: Duderstädter Wochenblatt von 1848 (2)
Für die revolutionäre Grundstimmung in Duderstadt im Frühjahr und Sommer des Jahres 1848 gab es neben diesem Tumult, der Politisierung der Zeitung und der Bildung von Wahlvereinen viele weitere Anzeichen - in der Zeitung wurden Kokarden in den nationalen Revolutionsfarben Schwarz-Rot-Gold ebenso angeboten wie Briefpapier in diesen Farben. Freudenfeuer wurden bei der Wahl zur Paulskirchenversammlung veranstaltet und radikale Studenten aus Göttingen riefen erfolgreich zur Bildung eines Turmvereins im Geiste des "Turnvaters" Jahn auf. Dauerhaften Erfolg hatte die Revolution von 1848 weder in Duderstadt noch in Deutschland - eins aber blieb auf Dauer: der Duderstädter Turnverein von 1848.
 

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