Logo
Amüsantes und
Wissenswertes
Ein Duderstädter Erfolgsmodell eroberte Europa
Über fast dreißig Jahre erstreckt sich die Laufzeit einer Akte des Stadtarchivs mit dem Titel "Spezialinstitut von Emil Loest zu Duderstadt, Vertrieb von Hörapparaten für Schwerhörige durch die Expugnator GmbH 1909-1937". Anfragen aus ganz Deutschland, aus Österreich, Ungarn, Jugoslawien, Norwegen, Schweden, Belgien und Holland erreichten den "ehrsamen Magistrat" oder die "wohllöbliche Polizeibehörde", die auf Grund der Anfragenflut schon 1910 ein eigenes Formular für Antworten entwarf. Es ging um die Qualität eines von dem Erfinder und Lehrer der Naturheilkunde, des späteren Kaufmanns Emil Loest angebotenen pneumatischen Ohren-Vibrations-Apparat "Audito" zur Bekämpfung der Schwerhörigkeit und des Ohrensausens, der in weitgestreuten Anzeigen und durch Werbebroschüren zum Preis von 36 Mark vertrieben wurde.

Das Publikum war teilweise misstrauisch, weil es das Gerät nur gegen Vorkasse oder Nachnahme gab.

Bild: Der Apparat Audito in Betrieb
Der Apparat Audito in Betrieb
Der Apparat Audito war ein mechanischer, durch eine Kurbel angetriebener Vibrator, der mit zwei "Ohroliven" die Trommelfelle und den Gehörgang massierte. Begreiflicherweise weigerte sich Loest, der Inhaber und Geschäftsführer der GmbH, dieses medizinische Gerät zur Probe auszuliefern oder zurückzunehmen, da er es keinem Kunden zumuten wollte, "gebrauchte" Ohroliven zu verwenden.
Die ersten Anfragen kamen aus den Weiten der preußischen Monarchie zwischen Köln und Königsberg - aus Lübeck, aus Schlesien, aus Pommern, aus Thüringen. Bald gesellten sich Interessenten aus den deutschsprachigen Länder der Donaumonarchie hinzu, vor allem aus Österreich, aus dem Vorarlberg und aus Wien, aber auch aus der Schweiz. Der Erfolg muss Loest angestachelt haben - er erweiterte seine Werbung. Die Broschüre "Wie werde ich von meiner Schwerhörigkeit geheilt?" ließ er auch in ungarischer Sprache und schließlich auch auf französisch und russisch erscheinen. Die in über 100.000 Exemplaren in Duderstadt bei Hövener gedruckte Broschüre warb weitere Kunden - bereits während des 1. Weltkrieges kamen Käufer in Norwegen und Schweden hinzu, in den zwanziger Jahren Kunden aus Holland, Belgien und Jugoslawien.
Überhaupt war Werbung die Stärke des Duderstädter "Spezialinstituts" von Emil Loest: Neben den Annoncen in vielen regionalen Zeitungen veranstaltete er seit 1911 eine Weihnachtswerbeaktion, die in über 10.000 Werbebriefen den Apparat "Audito" statt zum Normalpreis in einer Sonderedition von 300 Exemplaren für 26,50 Mark anbot. Der Preis blieb stabil, solange es das Kaiserreich gab, stieg aber in der Inflationszeit von 800 Mark 1922 bis 6000 Mark im Januar 1923. Kunden gab es in allen Kreisen der Bevölkerung - von dem vielleicht berufsgeschädigten Artilleriefeldwebel in Berlin über den schwedischen Musiker bis zum armen ungarischen Lehrer und einem schlecht besoldeten Unterbeamten, einem preußischen Kriminalsekretär, bis hin zum Fabrikbesitzer und zum Adligen, der über seinen Privatsekretär das Gerät bestellen ließ. Nach 1937 schweigen die Akten zum Apparat Audito, der vermutlich unmodern geworden war.
 

Stadt Duderstadt
https://www.duderstadt.de


1075 Jahre Duderstadt
1075 Jahre Duderstadt
Veranstaltungen
[22.06.2018 - 23.09.2018]Dem Vergessen entrissen!
[20.09.2018 19:30 Uhr]Geschichten von Menschen und Zügen
[21.09.2018 21:00 Uhr]Erlebnisführung "Laterne, Horn und Hellebarde"
[22.09.2018 14:30 Uhr]Auf ein Stündchen mit dem Scharfrichter
[24.09.2018 09:00 Uhr - 15:00 Uhr]Karriereberatung der Bundeswehr
SuchenVeranstaltungenWeitere Termine