Logo
Amüsantes und
Wissenswertes
Von Bürgergärten und Lusthäuschen
Der an diesem Wochenende stattfindende Duderstädter Gartenmarkt hat noch keine lange Tradition, im Gegensatz zu den Wochen- und Jahrmärkten, die bis zu den Anfängen der Stadtwerdung zurück reichten. Von den sechs großen Jahrmärkten der Stadt des Mittelalters sind nur Fastnachtsmarkt und Martinimarkt bis heute geblieben. An den Pferdemarkt erinnert noch heute das moderne Denkmal vor der Unterkirche.

Obwohl der Gartenmarkt noch recht jung ist, hat doch die Gartenkultur in Duderstadt eine lange Geschichte. Spätestens seit der Anlage des Walles ab1506 entstanden zwischen Mauer und Wall die langen und schmalen Bürgergärten, die in ihren Anfängen sicherlich reine Wirtschaftsgärten waren, die vor allem der Versorgung mit Nahrungsmitteln wie Gemüse, Kohl oder Hülsenfrüchten dienten. Auch Obstbäume und Kräuter gehörten zu einem Bürgergarten, der aber um diese Zeit bereits auch Zierpflanzen ohne einen direkten ökonomischen Nutzen enthalten konnte. Vorbild waren häufig die fürstlichen und adligen Gärten. Diesem Vorbild entsprachen auch Elemente wie Lauben, künstliche Grotten und die Garten- oder Lusthäuschen, die ursprünglich der geselligen Begegnung, der Kurzweil oder repräsentativen Jagdzwecken dienten.

Foto: Ältestes historisches Gartenhaus in Duderstadt, aufgenommen ca. 1964
Ältestes historisches Gartenhaus in Duderstadt, aufgenommen ca. 1964
In der bürgerlichen Sphäre Duderstadts sind Gartenhäuser seit dem 17. Jahrhundert nachzuweisen, aus dem Jahre 1678 stammt ein barockes Gartenhaus auf dem LNS-Gelände, das als Vorbild für Nachbauten diente, die 1994 ebenfalls auf dem LNS-Gelände errichtet wurden. Eine Bestandsaufnahme durch Prof. Boeminghaus in den neunziger Jahren ergab im Bereich des Walles noch fast einhundert historische Gartenhäuser aus vier Jahrhunderten von Barock bis zum Jugendstil.

Dienten die Gartenhäuser einerseits praktischen Zwecken wie der Lagerung von Gartengerät oder Zwischenlagerung von Gartenerzeugnissen, so ermöglichten sie andererseits ein zeitweiliges Leben außerhalb der Stadt in der Natur und die Naturbetrachtung, sowie den ästhetischen Genuss des Gartens in Muße.

Dass die Ruhe, die relative Abgeschiedenheit und Privatheit des Häuschen auch Gelegenheit zu anderen Dingen bot, zeigt eine ungewöhnlich seltene Quelle des Stadtarchivs: abgefangene Liebesbriefe zwischen einer zwanzigjährigen und einem älteren, verheirateten Mann aus dem Ende des 18. Jahrhunderts. Er hatte sie mit der modischen und teuren "Luxusdroge" Kaffee in seinem Gartenhäuschen zwischen Hinterstraße und der heutigen Christian-Blank-Straße zunächst bewirtet und dann verführt. Im Schutz der Dunkelheit trafen sie sich dort anschließend häufiger, bis ihr Verhalten auffiel und sie sich vor geistlichen und weltlichen Gerichten wegen Ehebruch verantworten mußten - so kamen die ganz privaten Liebesbriefe in die Akten.
 

Stadt Duderstadt
https://www.duderstadt.de


1075 Jahre Duderstadt
1075 Jahre Duderstadt
Veranstaltungen
[22.06.2018 - 23.09.2018]Dem Vergessen entrissen!
[20.09.2018 19:30 Uhr]Geschichten von Menschen und Zügen
[21.09.2018 21:00 Uhr]Erlebnisführung "Laterne, Horn und Hellebarde"
[22.09.2018 14:30 Uhr]Auf ein Stündchen mit dem Scharfrichter
[24.09.2018 09:00 Uhr - 15:00 Uhr]Karriereberatung der Bundeswehr
SuchenVeranstaltungenWeitere Termine