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Amüsantes und
Wissenswertes
Tafelfreuden am Gründonnerstag
Im Frühjahr des Jahres 1568 legte der Stadtschreiber Ludolfus Ludolf ein neues Rechnungsbuch mit dem Titel "Ad comestionem dominorum" an, das für ein halbes Jahrhundert seinen Dienst tun sollte - und das unter dem Namen "Ratszehrungsbuch" noch heute im Stadtarchiv verwahrt wird.

Sechs Mal im Jahr tafelten die 24 Ratsherren üppig, es war einer der vielen "geldwerten Vorteile", die sie statt einer Besoldung erhielten. Besonders reichhaltig fiel die Zehrung am Ende des Wirtschaftsjahres aus - zu Michaelis wurden 24 Gänse verspeist, die in Hilkerode und Mingerode gekauft worden waren. Doch das war nicht alles: daneben wurden verzehrt 60 Pfund Rindfleisch, Hasen, 2 Schweine, Forellen, Karpfen, Flusskrebse, Hammelfleisch, Rinderzungen, Hähne. Beilage war immer Kohl. An Süßigkeiten gab es Honig- und Pfefferkuchen und Konfekt aus der Apotheke, zum Süßen wurde überwiegend Honig verwendet, gelegentlich auch in Frankfurt ein Zuckerhut beschafft.
Gewürzt wurde mit Ingwer, Pfeffer, Essig, Nelken, Senf und Meerrettich. Das wohl teuerste Luxusgewürz war der Safran. Nicht fehlen durfte Brot und Weißbrot und die beliebten Krengel (Brezeln), auch Schafskäse gehörte zu jeder Mahlzeit. Getrunken wurde Duderstädter und Einbecker Bier in großen Mengen, auch Wein.

Bild: Titelblatt des Ratszehrungsbuches von 1568
Titelblatt des Ratszehrungsbuches von 1568
Die unglaublichen Mengen an Speisen wurden allerdings nicht von den Ratsherren allein verzehrt, es gab viele "Mitesser", z.B. Verwandte und Diener. Auch wurden Schüsseln und Braten aus dem Rathaus nach Haus geschickt. Schließlich ließen es sich auch die Ratsdiener und die Köche gut munden, worüber zahlreiche Klagen geführt wurden. Die Ratsessen kamen den Bürger teuer zu stehen, bis 60 Duderstädter Mark kostete ein üppiges Mahl.

Deutlich bescheidener ging es bei dem gemeinsamen Mahl am Gründonnerstag zu. Wegen der noch andauernden Fastenzeit gab es kein Fleisch, Hauptmahlzeit waren Bücklinge, als Beilage gab es Petersilienwurzel, Krengel und Weißbrot, Salat und Weißkohl. Insgesamt drei Pfund Butter und 60 Eier wurden dazu verzehrt. Mehr als sechs Mark an Kosten fielen diesmal nicht an, eingerechnet einen Umtrunk im Ratsweinkeller in Beisein des Stadtschultheißen und des Bürgermeisters. Schon am Ostersamstag zahlte der Kämmerer Hans von Heiligenstadt an die Lieferanten.

Über die sechs üppigen Ratsessen - vielleicht mit Ausnahme des Essens am Gründonnerstag - gab es vielfach Beschwerden aus der Bürgerschaft, die an den Landesherren gerichtet wurden. Schließlich wurden sie wegen dieser Beschwerden "einiger Übelmeinender" auf Befehl des Erzbischofs Anfang des 18. Jahrhunderts ganz abgeschafft.
 

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