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Amüsantes und
Wissenswertes
Ein vergessenes Denkmal
Am vorigen Wochenende feierte der Ortsverein Duderstadt der SPD sein 125jähriges Bestehen und konnte dies Jubiläum mit einer im Heimatmuseum verwahrten Fahne des Arbeitergesangsvereins "Germania" vom 10. März 1879 belegen. Die Satzung des Vereins, dem Duderstädter Magistrat wenige Tage später zur Bewilligung vorgelegt, ist vor einigen Jahren im Stadtarchiv aufgefunden worden. In der Zeit der "Sozialistengesetze" des Reichskanzlers Bismarck seit 1875 blühte die Partei auf - trotz des Verbots. Zahlreiche Ortsvereine wurden in dieser Zeit gegründet.

In Duderstadt hängen das Auftreten der SPD, der Gewerkschaften und der neu entstehenden Arbeiterklasse eng mit der beginnenden Industrialisierung zusammen, die hier relativ spät begann. Die Arbeiter in den drei Glacé-Handschuhfabriken Jahn, Eickemeyer und Heise und die Tabakarbeiter waren qualifiziert und selbstbewusst, ihr gewerkschaftlicher Zusammenschluss durch die Arbeits- und Lebensbedingungen unausweichlich. In seinen Berichten an die Bezirksregierung in Hildesheim hat der Magistrat zwischen 1875 und 1890 allerdings keinerlei sozialistische Bestrebungen in Duderstadt bemerkt. Erst nach der Aufhebung der Sozialistengesetze 1890 wurden acht Wähler der SPD in Duderstadt auffällig - der Magistrat konnte nur vermuten - da ja die Wahlen geheim waren - die Wähler seien wahrscheinlich fremde Handschuharbeiter mit moralisch fragwürdigem Charakter.
Am Ende des Kaiserreichs stieg bei den Reichstagswahlen der Stimmanteil der SPD langsam, aber in der Kommune verhinderte das preußische Dreiklassen Wahlrecht einen Wahlerfolg, erst nach dem Ende des Kaiserreichs konnten in der jungen Weimarer Republik seit 1919 auch in den Stadtrat (Bürgervorsteher-Kollegium) erstmals sechs Sozialdemokraten - vier von der Mehrheits-SPD und zwei von der Unabhängigen SPD (USPD) einziehen, stärkste Fraktion blieb allerdings die katholische Zentrumspartei mit 7 Vertretern. In den zwanziger Jahren arbeiteten in Duderstadt wie in ganz Preußen die "Weimarer Parteien" - Zentrum, Bürgerliche und SPD - zusammen, bis zum Ende der Republik die Radikalen von rechts und links immer mehr an Gewicht gewannen.

Bild: Das Ebert-Rathenau-Erzberger Denkmal 1928 - 1938
Das Ebert-Rathenau-Erzberger Denkmal 1928 - 1938
Aus dieser Zeit (1928) stammt ein Denkmal in Duderstadt, das an den ersten Präsidenten der Republik Friedrich Ebert und die ermordeten Politiker Matthias Erzberger und Walther Rathenau erinnern sollte. Es stand auf der ehemaligen Bastion im Nordosten des Walles am Ebert-Ring. Im November 1938, einen Tag vor dem Synagogenbrand, wurde es von den Nationalsozialisten zerstört, die mit dieser Tat die Erinnerung an die demokratischen Traditionen der Weimarer Republik auslöschen wollten.
 

Stadt Duderstadt
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1075 Jahre Duderstadt
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