Logo
Amüsantes und
Wissenswertes
Duderstädter Pestzeichen
Im Herbst des Jahres 1682 sah es trostlos aus in der Mainzischen Landstadt Duderstadt. Die Stadt war von Soldaten eingeschlossen - keine fremden Belagerer, sondern Truppen des eigenen Landesherren. Die Soldaten ließen niemand in die Stadt, und niemand heraus, das galt auch für die Handelsprodukte der Stadt - Bier und Tusche. Die Bürger fühlten sich nicht nur dadurch beschwert, dass sie die Tore der Stadt nicht verlassen durften, sie mussten auch mit ansehen, dass die Truppen ihre Gärten vor der Stadt plünderten.

Die Einschließung der Stadt durch den Landesherren hatte einen schwerwiegenden Grund - es herrschte die Pest in der Stadt, und die Isolierung der Stadt sollte die weitere Ausbreitung der Epidemie verhindern.

Im Herbst des Jahres 1682 war die Pest in Duderstadt ausgebrochen. Die Stadtregie-rung versuchte gegenüber der vorgesetzten Behörde, der Regierung in Heiligenstadt, über Wochen die betrübliche Tatsache zu leugnen. Doch die mainzischen Behörden verhängten ein strenge Untersuchung über Entstehung und Ausbreitung der Krankheit, über deren medizinische Ursachen damals kaum etwas bekannt war. Die Ursachen wurden in schlechten Ausdünstungen der Luft vermutet, aber man hatte schon beobachtet, dass die Isolierung der Erkrankten eine Ausbreitung der Krankheit behinderte. Dem Magistrat wurde auferlegt, einen Pestarzt anzustellen und neben der seit über hundert Jahren bestehenden Ratsapotheke eine weitere Apotheke einzurichten - die heutige Löwen-Apotheke.

Bekannt in der Medizingeschichte: Duderstädter Pestwarnzeichen
Bekannt in der Medizingeschichte: Duderstädter Pestwarnzeichen
Die Verluste in der Bevölkerung waren hoch - die Listen der Verstorbenen, geordnet nach den Konfessionen, lagern noch heute im Stadtarchiv. Die abgebildeten Pestkreuze wurden an Fenster und Türen angeschlagen und zeigten an, dass im Haus Erkrankte lebten. Das Archival ist inzwischen eine europäische Berühmtheit - es war auf Ausstellungen in Braunschweig, Dresden, Wien. Um den "schwarzen Tod" aufzuhalten, legte die verängstige Bevölkerung ein Gelübde gegenüber dem Pestheiligen "St. Rochus" an - wenn die Epidemie ende, wollte die Gemeinschaft der Bürger eine neue Kapelle für den Heiligen errichten. Nach dem Ende der Pest wurde das Gelübde umgewandelt - statt der Kapelle wurde eine mildtätige Stiftung für ein Waisenhaus eingerichtet.

Der Pestwinter brachte einen weiteren "historischen Vorteil" für die Stadt - Bürgermeister Johann Barckefeldt fand endlich einmal Zeit für das Stadtarchiv - er fertigte zahlreiche Urkundenabschriften an und vollendete bis April 1683 die erste wissenschaftliche Stadtgeschichte.
 

Stadt Duderstadt
https://www.duderstadt.de


1075 Jahre Duderstadt
1075 Jahre Duderstadt
Veranstaltungen
[22.06.2018 - 23.09.2018]Dem Vergessen entrissen!
[20.09.2018 19:30 Uhr]Geschichten von Menschen und Zügen
[21.09.2018 21:00 Uhr]Erlebnisführung "Laterne, Horn und Hellebarde"
[22.09.2018 14:30 Uhr]Auf ein Stündchen mit dem Scharfrichter
[24.09.2018 09:00 Uhr - 15:00 Uhr]Karriereberatung der Bundeswehr
SuchenVeranstaltungenWeitere Termine