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Amüsantes und
Wissenswertes
"klebrig, süffig, abführend" - Alt-Duderstädter Bier
"Großen Reichtum zieht Duderstadt aus dem Verkauf von Bier, das man dort, sei es wegen der Beschaffenheit des Klimas, sei es der des Wasser, besser zu brauen versteht als in vielen benachbarten Städten. Es vergeht im ganzen Jahr kein Tag, an dem nicht vollbeladene Wagen mit Bier aus der Stadt herausfahren." - so die Geröder Klosterchronik im Jahre 1611.

Seit dem Mittelalter besaßen etwa 350 Häuser in der Innenstadt die "Braugerechtigkeit", der Brau wurde jedoch in vier Brauhäusern von einem städtischen Braumeister mit seinen Brauknechten ausgeführt. Die Sudpfanne umfasste 36 Fass oder 14400 Liter. Zwei Ratsherren ("Pfannenherren") waren für die Qualität verantwortlich und sollten dafür sorgen, dass es in der Stadt nie zuviel oder zuwenig Bier gab. Ein Blechzeichen am Fass garantierte die Qualität. In Duderstadt wurde das Bier vom Brauberechtigten aus dem Haus heraus verkauft, ein Tannenzweig zeigt an, daß es dort frisches Bier gab. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zählte man acht Bierstuben, einhundert Jahre später nur noch eine.
Etwa zwei Drittel der Produktion (Maximum13000 Fass 1619) wurde um 1600 auswärts verkauft, Duderstädter Bier erreichte den Landesherrn in Mainz, es wurde nach Erfurt, Wien, Lübeck versandt, vor allem jedoch in der näheren Umgebung ausgeschenkt, wo es eine Monopolstellung hatte. Die Bewohner der Flecken Gieboldehausen und Dingelstädt wollten jedoch weder das "teure" Duderstädter noch das "schlechte" Heiligenstädter Bier trinken und lieber selbst brauen.

Bild: "Willkomm"-Humpen aus dem Duderstädter Rathaus
"Willkomm"-Humpen aus dem Duderstädter Rathaus
Stilecht wurde das Bier von alten Duderstädtern um 1800 aus Krügen aus Siegburger Steinware getrunken, die ziemlich genau zwei Liter fassten und möglichst am Tisch festkleben mussten. Schon die Verwendung von moderneren Gläsern minderte angeblich die gesundheitsfördernde Wirkung. Sie beruhte drauf, dass der Gerstensaft eine leicht abführende Wirkung besaß und es so verhinderte, dass in Duderstadt die Gicht, Nieren- und Gallensteine auftraten. Darum trank der Normalverbraucher drei bis fünf Kannen am Abend, was nun angesichts der Nahrhaftigkeit des Getränks auch nicht ohne Wirkung auf die Körperfülle blieb.
Das Ende des Duderstädter Bieres kam mit einem Wandel der Konsumgewohnheiten - der Prokopfverbrauch an Branntwein lag um 1840 mit 18,5 Liter jährlich fast doppelt so hoch wie der an Bier (10,5 Liter), auch wurden Kaffee oder Tee als Getränke beliebter. Der Absatz des Duderstädter Biers ging nach 1840 zurück, seit 1852 gab es die moderne Dampfbrauerei Kühle in der unteren Marktstraße, die Bier auf bayrische Art braute. Um 1885 wurde sie von den Gebrüdern Keseling aufgekauft und 1893 an den Felsenkeller verlegt. In der Inflationszeit (1922) gab die letzte Duderstädter Brauerei auf, da sie sich gegen die modernen Großbrauereien nicht mehr durchsetzen konnte.
 

Stadt Duderstadt
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