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Amüsantes und
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Der Duderstädter Heiligenhimmel im ausgehenden Mittelalter
Zu den Kostbarkeiten der Duderstädter St.-Cyriakus-Propsteikirche gehören die 80 Schlusssteine der gotischen Gewölbe mit ihren Passions- und Heiligendarstelllungen. Der letzte Schlussstein wurde 1490 durch Heinrich Helmolt aus Göttingen eingesetzt und damit das Gewölbe der Kirche geschlossen. Bei der Restaurierung der Kirche 1986/87 wurden auch diese überwiegend mit figürlichem Schmuck versehenen Steine, die einen Durchmesser von 60 bis 80 cm haben, farblich gefasst und besser sichtbar gemacht.

Je nach ihren Eigenschaften, vor allem aber nach der Art ihres Patronats, tauchen in den Schlusssteinen die Heiligen in Gruppen auf, die bekannteste Gruppe sind die Apostel. Zwei davon - Matthäus und Johannes - bilden mit Markus und Lukas die Gruppe der vier Evangelisten. Diese sind im Chor der Kirche durch ihre Evangelistensymbole (Löwe, Stier, Engel, Adler) repräsentiert. Neben den vier lateinischen Kirchenvätern, den Ordensgründern Franziskus, Benedikt und Bernhard von Clairvaux ist vor allem die Gruppe der 14 Nothelfer zu nennen, die gerade im Mittelalter bei Gefahren und Problemen angerufen wurden.

Schlussstein Cyriakus
Schlussstein Cyriakus
Zu ihnen gehört auch der Kirchenpatron Cyriakus, dessen schöner Schlussstein in exponierter Lage im Chor ebenso zu finden ist wie der des heiligen Laurentius, Stadtpatron von Duderstadt. Ursprung und Alter der Duderstädter Laurentiusverehrung sind zwar unklar, doch ist bereits in den ältesten Stadtrechnungen von 1396/97 eine jährliche Spende des Rates für eine Kerze zu seinen Ehren erwähnt. Einen besonderen Bezug hatten die Menschen in dieser Stadt auch zu Maria, dem heiligen Martin als Patron des Eichsfelds und dem heiligen Servatius, die alle drei ebenfalls auf Schlusssteinen im hohen Chor dargestellt sind.
Schlussstein Servatius
Schlussstein Servatius
Um Heiligendarstellungen zu kennzeichnen, wurden seit dem 15. Jahrhundert vor allem Kennzeichen und Attribute verwendet, die dem leseunkundigen Großteil der mittelalterlichen Bevölkerung - im Gegensatz zu uns heute - vertraut waren. Bei einem größeren Teil der Schlusssteine finden sich solche individuellen Attribute, die an Ereignisse im Leben, Martyrium oder Kult einzelner Heiliger erinnern und damit eine Identifizierung möglich machen. Bei einigen Schlusssteinen finden sich allerdings nur generelle Attribute wie Bischofsstab, Buch und Martyrerpalme, was eine Bestimmung der Heiligendarstellung erschwert.
Entstehung und Einfügung der Schlusssteine fallen in eine Zeit großer Kirchennähe und Frömmigkeit, wobei die Sorge um den eigenen Tod und das eigene Seelenheil zum beherrschenden Motiv der Frömmigkeit wurde. Die Menschen suchten verstärkt Zuflucht in der Heiligenverehrung. Sie stellten sich (und das kann man hier ganz wörtlich nehmen) unter den Schutz der in den Steinen abgebildeten himmlischen Personen. Aus den Lebensschilderungen der Heiligen ergab sich eine Vielzahl spezieller Patronate für viele Gruppen der Gesellschaft, für spezielle Berufe und Handwerke und für die individuellen Notlagen der einzelnen Gläubigen.
Diese lebendige, bildhafte Glaubenswelt wurde dann in der Zeit der Reformation bis in die Fundamente erschüttert. Wer heute - mit einem Fernrohr ausgerüstet - versucht, die bildhaften Darstellungen der Heiligen auf den in 15 m Höhe sich befindenden Schlusssteinen zu betrachten und zu entschlüsseln, wird sicherlich auch daran denken, wie viele Menschen in den zurückliegenden über 500 Jahren durch die Betrachtung dieser Schlusssteine eine Stütze ihrer Glaubenspraxis und Frömmigkeit erfahren haben.

Helmut Bömeke
 

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