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Amüsantes und
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Die Henker von Duderstadt
"Wo hätten Sie im Mittelalter lieber gelebt - in der reichen Großstadt Nürnberg, wo es jährlich durchschnittlich 20 Hinrichtungen gab - oder im kleinen Duderstadt, wo man Konflikte häufig mit Geldbußen regelte und wo erst 1499 ein Henker eingestellt wurde?" So fragte beim Festvortrag zur 1075-Jahr-Feier der Landeshistoriker Prof. Dr. Ernst Schubert

Ganz ohne Henker, der auch als Nachrichter oder Scharfrichter bezeichnet wurde, kam allerdings auch das Gemeinwesen Duderstadt nicht aus. Bereits die älteste im Stadtarchiv aufbewahrte Kämmereirechnung verzeichnet Aufgaben für den Henker, allerdings nur in längeren Abständen. Scharfrichter wurden im 15. Jahrhundert mehrfach ausgeliehen, z.B. aus Heiligenstadt. Erst der Scharfrichter "Meister Henrick" in der Westertorvorstadt ist für einige Jahre zwischen 1470 und 1476 auf der Lohnliste des Rats, allerdings nur mit so geringen Zahlungen, dass er davon nicht leben konnte.
Über die Ausgaben des Duderstädter Henkers erfahren wir durch die oben erwähnte Bestallung, einen Arbeitsvertrag mit Beschreibung der Rechte und Pflichten. Auf den ersten Blick erstaunlich ist die Verpflichtung, dem Rat jährlich 5 Pfund Hundefett und 12 Handschuhe aus Hundeleder zu liefern. Das Rätsel löst sich, wenn man erfährt, dass der Scharfrichter auch immer als "Hundeschläger" bezeichnet wird - er musste tollwütige Hunde fangen, erschlagen und beseitigen - denn er war zugleich auch der Abdecker der Stadt. Hundehandschuhe, so weiß es noch das "Zedlersche Universallexikon" aus dem 18. Jahrhundert, dienten der Gesundheit: "Das Fell, zumahl wenn Hand-Schuh davon gemacht werden, benimmet das Jucken, und erweichet die gelähmten Nerven" . In demselben Lexikon findet sich: ""Das Hundefett ist ein gutes Wund-Mittel, es reiniget, heilet, dienet zur Schwindsucht.....auch wird es äußerlich wider die Schmerzen des Zipperleins gebraucht, zur Taubheit und anderen Gebrechen des Gehörs, zur Krätze und zum Jucken der Haut."

Bild: Schlussstein im Folterkeller des historischen Rathauses
Schlussstein im Folterkeller des historischen Rathauses
Die Folterknechte, die Glieder ausrenken konnten, waren aber auch Heilpraktiker, die Behandlungen vornahmen, und sie handelten mit gesundheitsfördernden Mitteln ebenso wie mit magischen Gegenständen - ein Stück vom Galgenstrick war ein Amulett gegen den Tod am Galgen. Henker waren durch ihr Nebengewerbe reich, blieben aber sozial völlig ausgegrenzt. Ihre Söhne wurden in keinem Handwerk zugelassen, ihnen blieb nur die Fortführung des Berufs und die Einheirat in andere Henkersfamilien.
Eher unangenehm und wenig einträglich war wohl die Pflicht, den Folterkeller im Duderstädter Rathaus zu reinigen oder den Abort am Westerturm. Seit dem 18. Jahrhundert gab es in Duderstadt weder Folter noch Hinrichtungen - die Funktion des Schinders aber blieb bestehen, daran erinnert noch die Flurbezeichnung Schindanger. Noch in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts beschwerte sich die Eisenbahnbau-Abteilung Duderstadt-Wulften mehrfach über den von der Abdeckerei auf dem Schind-anger ausgehenden Gestank. Die Schindergasse, die von der Steintorstraße zum Schindanger führte, hat heute allerdings den viel poetischeren Namen Rosengasse.
 

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