Logo
Amüsantes und
Wissenswertes
Baumeister Anreischken - viele Rätsel ungelöst
Wie sind die Duderstädter zu dem Spitznamen Anreischke gekommen? So fragte vor fast 100 Jahren der Gymnasialprofessor und Stadtarchivar Julius Jaeger. Er fand eine Lösung in den uralten Kämmereirechnungen der städtischen Überlieferung. Es gab nach Jaeger nur einen bedeutenden Andreas in der Stadtgeschichte - den "Polenmeister", der die Arbeiten am neuen Stadtwall seit 1506 leitete. Der hatte die Bauern, die gegenüber der Stadt zu Hand- und Spanndiensten verpflichtet waren, sehr hart behandelt, und die Bauern hätten gegenüber den Städtern gesagt "du bist auch so ein Anreischke".

Anreischke war noch vor etwa 150 Jahren ein Schimpfwort, der Schriftsteller C.L. Hellrung warnte 1843 in seinem Buch "Die Goldene Mark" Fremde davor, die Duderstädter so zu nennen! Besonders die Bewohner der Steintorvorstadt wurden "fuchsteufelswild", wenn man sie so bezeichnete. Heute sagen die Duderstädter von sich allerdings gern und mit Stolz "wir Anreischken". Aus dem verspottenden Name ist eine positive Selbstbezeichnung geworden, wie es häufiger in der Geschichte geschieht.

"Anreischke" ist jedoch mehr als ein Name - er ist eine Figur, hat einen Bart, eine große Nase, einen großen Mund und einen Hut mit einer Pilgermuschel. Man hat ihn fälschlich im vorigen Jahrhundert für eine antisemitische Karikatur gehalten - nur eine von vielen Bedeutungszuschreibungen. Der Original-Anreischke, heute im Rathaus aufbewahrt, war ursprünglich Teil einer "künstlichen Uhr", die ein Duderstädter Bürger um 1694 als dritte öffentliche Uhr in Duderstadt geschaffen hatte. Er konnte, angetrieben vom Uhrwerk, nicken, er konnte auch mittels einer Bohrung vom Mund zum Nacken eine Pfeife rauchen, trug wahrscheinlich auf seiner Nase eine Brille und besuchte angeblich am Andreastage die Duderstädter Kaufleute. Seit 1929 begleitet eine vergrößerte Nachbildung die Schützen bei ihrem Auszug zum Schützenplatz, seit 1959 nickt alle zwei Stunden sein Abbild aus dem westlichen Rathausturm. Einmal im Jahr verkörpert beim Kommers des Schützenfests der Anreischke Volkes Stimme, vorgetragen vom Ehrenschützenhauptmann Ernst Wilhelm Werner. Neuerdings hat er sich vervielfacht und begegnet den Duderstädtern als mannshohe, individuell bemalte Figur, als Werbe- und Sympathieträger auf Schritt und Tritt, nicht nur in der Marktstraße.
"Anreischke, komm heraus mit dem Spieß, es sitzt eine Kröte in der Gosse, stich sie tot" - so lautet ein niederdeutscher Spottvers, der vielleicht darauf deutet, dass der Anreischke einmal ein Torwärter am Steintor war. Er ist die Symbolfigur aller Duderstädter - wie der deutsche Michel oder die französische Marianne für ihre Nation stehen. Der Anreischke als Pilger, Jude, Stadthauptmann, Torwärter, Wallbaumeister, Pfeifenraucher, als der kleine Hl. Andreas oder der personifizierte Duderstädter - das Symbol bleibt vielschichtig, wandelbar und rätselhaft.

 

Stadt Duderstadt
https://www.duderstadt.de


1075 Jahre Duderstadt
1075 Jahre Duderstadt
Veranstaltungen
[22.06.2018 - 23.09.2018]Dem Vergessen entrissen!
[20.09.2018 19:30 Uhr]Geschichten von Menschen und Zügen
[21.09.2018 21:00 Uhr]Erlebnisführung "Laterne, Horn und Hellebarde"
[22.09.2018 14:30 Uhr]Auf ein Stündchen mit dem Scharfrichter
[24.09.2018 09:00 Uhr - 15:00 Uhr]Karriereberatung der Bundeswehr
SuchenVeranstaltungenWeitere Termine