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Amüsantes und
Wissenswertes
Ein nützlicher Kalender zum Jahresbeginn
Wohl rechtzeitig vor dem Jahresbeginn 1699 erschien vor mehr als dreihundert Jahren in Duderstadt ein "Neuer und Alter Schreib=Calender / Auff das Jahr nach der Gnadenreichen Geburth Jesu Christi DC XCIX, darinn die eigentliche Beschaffenheit der vier Jahres=Zeiten/ und Himmels=Constitution mit Fleiß auff den Thüringischen / Hessischen / Lüneburgischen / und Eichsfeldischen Polum gerichtet... Duderstadt bey Johann Jobst Hunold".
Duderstädter Stadtansicht von 1699
Duderstädter Stadtansicht von 1699
Der Anschreibkalender, der mit dem alten(julianischen) und dem neuen (gregorianischen) Kalenderstil vertraut ist, zielt, wie im Titel bereits gesagt, auf evangelische und katholische Abnehmer im Umkreis von Duderstadt. Der Autor berechnet nicht nur die Sternenkonstellation, Auf- und Niedergang von Sonne und Mond, er wagt auch Wettervorhersagen über ein ganzes Jahr, er empfiehlt auch Tage, an denen man sich gut die Adern lassen kann, an denen man baden sollte, abführen oder Medizin nehmen sollte. Für Tage, an denen es gut ist, die Haare schneiden zu lassen, wird das Symbol einer geöffneten Schere verwendet; ist die Schere nach unten gekehrt, soll man die Haare langsam wachsen lassen. Gewisse Tage sind gut, um Kinder zu entwöhnen.

Neben diesen Empfehlungen und Wettervoraussagen bleibt nur wenig Raum für die Tagesnotizen. Immerhin erfahren wir, dass der unbekannte Besitzer des Kalenders nicht nur lesen und schreiben konnte, sondern auch das Latein beherrschte. Er stand offenbar in Geschäftsbeziehungen zu Herrn Böning, nach der Zeitstellung könnten der Kommissarius wie auch sein Bruder, der Stadtschultheiß, gemeint sein . Besonderes Interesse verdient auch die literarische Beilage, eine Kalendergeschichte. Es handelt sich um die weitverbreitete und populäre "Reisebeschreibung" des Paters Antonius Sepp aus Brixen in Tirol, der bei Buenos Aires eine Jesuitenniederlassung leitete. Offensichtlich konnte der Drucker und Verleger Hunold mit dem Interesse des lesefreudigen Duderstädter Publikums an Reiseabenteuern und Schilderungen fremder Länder und Völker rechnen.

Der Kalender, erst vor wenigen Wochen im Stadtarchiv Duderstadt aufgefunden, ist extrem selten, in den deutschen Bibliotheken ist er bisher nicht nachweisbar. Interesse verdient das Druckwerk auch in weiterer Hinsicht: Auf dem Titelblatt, überkrönt von den Duderstädter Wappenlöwen und begleitet von drallen Putten, ist in einer Vignette eine der ältesten Stadtansichten von Duderstadt zu bewundern. Obwohl das Original nur etwa acht mal vier Zentimeter misst, sind verschiedene Details deutlich zu erkennen - die Türme des Westertors, von St. Servatius, Rathaus und St. Cyriakus. Auch heute Verschwundenes ist zu sehen: das Steintor, das Obertor, die Stadtmauer im Süden, das abgerissene äußere Westertor und der Gefangenenturm am inneren Westertor. Die allegorische Bedeutung der über der Stadt kreisenden riesigen Vögel ist allerdings noch unerforscht...
 

 


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