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Amüsantes und
Wissenswertes
Lohnende Geschäfte - Der Rat und seine Apotheken
1573 beschloss der Rat der Stadt Duderstadt, der Stadt eine Apotheke zu errichten. Ratsapotheken waren offenbar gerade in Mode - 1555 wurde in Göttingen eine errichtet, 1575 in Osterode und Northeim.
Ein geeignetes Grundstück war bald gefunden - eine wüste Stätte, die Gänseweide in der "Hohen Straße", die heute Apothekenstraße heißt. Nach Ausschachtarbeiten wurde ein Keller errichtet, und der Zimmermann Valentin Zinke erhielt den Auftrag, ein dreistöckiges Haus mit einer "Utlucht"; einem Erker von zwei Gefach Breite zu errichten - nachzulesen in einem Archival mit dem Namen Manual I, einem Buch über die Verträge des Rats, und auch noch heute zu besichtigen. Erker sind im Duderstädter Fachwerk sehr selten.

Die Apotheke nahm im Jahr 1574 ihren Betrieb auf, sie wurde meistbietend verpachtet. Der Apotheker war wenig bemittelt und musste einen Kredit beim Rat aufnehmen, der im Umfang von 100 Thalern bei dem Grossisten in Leipzig für Warenlieferungen bürgte. Um den wirtschaftlichen Betrieb einer Apotheke zu gewährleisten, erteilte der Rat ein Privileg: er gestattete dem Apotheker den ausschließlichen Handel mit Rattenpulver, Oppermentmehl, Spangrün, Krähenaugen, Fliegenwasser und -pulver, Kobalt, Salmiak, Rhabarber, Terpentin, Balsamöl, Wacholderöl, Petroleum, Bleiweiß, Kampfer, Scheidewasser, Quecksilber, Hüttenrauch, Siegelwachs, Opium, Wolfswurzel, Rosen-pulver, Lasurfarbe und Baumöl (Olivenöl). Die Kaufleute durften mit diesen Waren nicht mehr handeln. Ein konkurrierender Winkelapotheker, der ohne Privileg schon seit 1566 seine Tätigkeit ausübte, wurde 1572 aufgefordert " von hinnen seine Füße zu verrücken".

Foto: Die ehemalige Rats(schwan)apotheke in der Apothekenstraße
Die ehemalige Rats(schwan)apotheke in der Apothekenstraße
Neben den ausschließlich der Apotheke vorbehaltenen Waren wurden dort auch Waren angeboten, bei denen eine Konkurrenz mit den Krämern bestehen blieb und die recht gewinnträchtig waren: Gewürze, Tee, Konfekt, bessere Weine und ordinärer Branntwein, Mandeln, Nelken, Zimt, Zucker, Kapern, Wacholder, Rosinen, Ingwer, Safran, Anis und Pfeffer. "Die besten Abnehmer" der exotischen Waren, so schreibt 1973 der damalige Stadtarchivar Lerch, war der Stadtrat selbst für seine Festessen und für die Besoldung von Stadtschultheiß, Bürgermeister und städtischen Bedienten. Die Preise allerdings waren gesalzen, und nach Beschwerden aus der Bevölkerung beschloss der Rat 1674 eine neue Apothekenordnung und forderte eine "ziemliche, diesem Ort erträgliche und in den benachbarten Städten übliche" Preisgestaltung von dem Apothekenpächter.
Bei der letzten großen Pest in Duderstadt von 1682/83, der jeder siebente Duderstädter zum Opfer fiel, wurde die Errichtung einer zweiten Apotheke notwendig, die auch nach der Epidemie trotz der Einwände des Konkurrenten bestehen blieb. Nun gab es zwei Ratsapotheken, die seit etwa 1720 zur Unterscheidung - wohl nach ihren Hauszeichen - als Schwanapotheke und Löwenapotheke bezeichnet werden.
Aus Finanznot verkaufte der Rat 1822 die alte Ratsschwanapotheke in der Apothekenstraße, die der neue Eigentümer in die Marktstraße an den heutigen Ort verlegte. Das Apothekenprivileg war wertvoller als das alte Haus und brachte soviel Erlös, das nicht nur ein Haus für die neue evangelische Volksschule am Untermarkt gekauft werden konnte, sondern noch 5000 Thaler für den Schuldendienst übrig blieben. Die Schwanapotheke ist seit 1898 im Besitz der Familie Germeshausen. Nach längerer Diskussion darüber, ob zwei Apotheken für Duderstadt und Umgebung, deren Bevölkerung "nicht gerade zu den Wohlhabenden gehörte", nicht zuviel seien, entschieden sich Rat und die Regierung 1879 für den Fortbestand zweier Apotheken - nun wurde auch die Löwenapotheke verkauft.
 

Stadt Duderstadt
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