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Amüsantes und
Wissenswertes
Von geheimnisvollen Gängen, Ordensschwestern und Geschäftsleuten
"Sie suchen nach dem unterirdischen Gang". So begann ein Artikel im Göttinger Tageblatt vom 17./18. September 1955. Er berichtete über eine Ratssitzung, in der neben anderen Tagesordnungspunkten auch über das Vorhandensein unterirdischer Gänge vom Steinernen Haus in Duderstadt zum Kloster Teistungenburg und zur Sulbergswarte beraten wurde. Der Stadtverwaltung, die schon Ermittlungen zu den geheimnisvollen Gängen vorgenommen hatte, waren solche nicht bekannt. Dagegen stand die Auffassung des Wünschelrutengängers Peter Nielsen aus Duderstadt, der einen handgezeichneten Plan vorlegte.

Nach seinen Untersuchungen soll der Gang von Teistungenburg kommend unter Gerblingerode und dem Hartmannkanal hindurch die Innenstadt erreichen. Er unterläuft das Haus Hölscher (Marktstraße 86) und erreicht den Keller des Steinernen Hauses. Von hier aus führt der Tunnel zum Gefängnis, zum Ursulinenkloster und dann auf direktem Weg zur Sulbergswarte. Mit den Worten "... Ich kann es schriftlich bestätigen, dass es nie einen Gang nach Teistungenburg gegeben hat" bestritt Ratsherr Brautlecht die Angelegenheit. Um endgültige Gewissheit zu bekommen, beschlossen die Ratsmitglieder nach dem Plan Nielsens, eine Bohrung im Flutgraben vorzunehmen, die Baumeister Braak ausführen sollte. Eine Belohnung für das Auffinden, so hatte es der Bauausschuss vorgeschlagen, fand keine Mehrheit. Die Bohrung wurde wohl in den Sand gesetzt. Hätte sie Erfolg gehabt, wären Duderstadt und Teistungen um eine Attraktion reicher. Trotzdem halten sich Gerüchte und Vermutungen und manch ernst zu nehmender Duderstädter berichtet glaubhaft von seinem Besuch im unterirdischen Gang vor langer, langer Zeit. Seit Generationen erzählen und streiten die Duderstädter über ihren Gang. Das soll so bleiben.
Dichtung und Wahrheit liegen bekanntlich eng beieinander. Wahr ist, dass die Äbtissin Eugenia Fritz vom Zisterzienserinnenkloster Teistungenburg 1751/52 das Steinerne Haus durch ihren Neffen Johann Christoph Fritz errichten ließ. Er erlernte bei Barockbaumeistern in Wien das Bauhandwerk. In China erwarb er Kenntnisse der Goldschmiedekunst. In das Eichsfeld zurückgekehrt war er Ratsgutpächter in Werxhausen, bekam das Bürgerrecht Duderstadts, kaufte ein Haus in Duderstadt und bekleidete hier städtische Ämter. Neben dem Steinernen Haus baute er die Kirchen in Werxhausen und Brehme.

Das Steinerne Haus an der oberen Marktstraße
Das Steinerne Haus an der oberen Marktstraße
Das Steinerne Haus soll als Ersatz für fünf in der Duderstädter Haberstraße gelegene baufällige Häuser errichtet worden sein. In ihren Häusern lagerten die Ordensschwestern Naturalabgaben, die für den Verkauf in Duderstadt vorgesehen waren. Neben dem Handel diente das Stadthaus repräsentativen Zwecken und als Domizil der Zisterzienserinnen. An die klösterliche Geschichte erinnert das Klosterwappen und die Inschrift über dem rechten Hauseingang. Zwei gekreuzte Schlüssel unter einem Kreuz, darüber eine Krone, zeigt das Wappen. Die Inschrift nennt in abkürzender Form die einstigen Bauauftraggeber und das Jahr der Fertigstellung des Hauses. Abgesehen von geringfügigen Abweichungen gleicht es dem Konventssiegel von 1762.
Das Gebäude erlebte eine wechselvolle Geschichte. Es diente nicht nur der klösterlichen Nutzung sondern auch dem Fürsten von Thurn und Taxis und später, ab 1803, der Preußischen Postverwaltung als Dienstgebäude. 1908 erfuhr das Haus einen wesentlichen Umbau zum Bankhaus der Göttinger Bank. 1928 begann die Geschichte der Volksbank Duderstadt, die dort ihre erste Geschäftsstelle errichtete. Auch die Bekleidungsfirma E + R, Engelhardt und Regenhardt, nahm hier ihren geschäftlichen Anfang.
Während der Brandkatastrophe vom 19. - 21. September 1852 blieb nur das Steinerne Haus auf der Nordseite der Obermarktstraße stehen. Die dicken Sandsteinmauern schützten es vor dem Feuer. 108 Häuser, 162 Scheunen und Hintergebäude gingen verloren. Auch die St.-Cyriakus-Kirche wurde nicht verschont, Türme und Dach brannten ab.

Herbert Pfeiffer
 

Stadt Duderstadt
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