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Amüsantes und
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Albertinische Ordnung von 1526 - ein Grundgesetz für Duderstadt
Zu den ungewöhnlichsten Urkunden im Stadtarchiv gehört ein in rotes Leder gebundenes, auf sechs Pergamentblättern geschriebenes mit einem Siegel in einer kupfernen Dose beglaubigtes Dokument, das als "Albertinische Ordnung" in die Verfassungs- und Verwaltungsgeschichte Duderstadts eingegangen ist.
Bild: Erzbischof Albrecht von Mainz und Magdeburg
Erzbischof Albrecht von Mainz und Magdeburg
Die Ordnung, die der Erzbischof von Mainz und Magdeburg als Stadtherr seiner Stadt gegeben hatte und die bis zum Jahre 1803 - dem Ende der Mainzer Herrschaft - ihre Gültigkeit bewahrt hat, entstand nicht in Verhandlungen zwischen Rat und Erzbischof, sie ist vielmehr das Diktat eines Siegers. Duderstadt verlor seine Autonomie, der Kurfürst setzte einen Stadtschultheiß ein - modern gesprochen einen Staatskommisssar - der bei jeder Ratssitzung anwesend war und über die Tagesordnung bestimmte. Auch die Gilden wurden vorübergehend aufgelöst und verboten.
Der tiefere Sinn der kurfürstlichen Maßnahmen war ein Ausbau der landesherrlichen Einflussmöglichkeiten auf die bis dahin relativ selbständige Stadt, wie es ein genereller Trend in der Entwicklung des frühmodernen Staats seit dem 16. Jahrhunderts gewesen ist. Unmittelbarer Anlass für die Strafmaßnahme war aber etwas anderes. Im Frühjahr 1525 hatte der Bürgermeister Andreas Hesse eine schwierige Situation klug gemeistert. Angesichts eines zwischen Gerblingerode und Duderstadt lagernden Heeres der aufrührerischen Bauern, die Klöster, Adelssitze und auch Städte erobert und in Brand gesteckt hatten, hatte er eine Schonung der Stadt ausgehandelt. Für den Erzbischof aber war dieser Pakt mit dem Heer und dem "entlaufenen Mönch", dem Bauernführer Heinrich Schwertfeger genannt Pfeiffer aus Mühlhausen, Hochverrat.
Das Blatt wendete sich, als die geschulten Soldaten der fürstlichen Partei unter Teilnahme des Herzogs Heinrich d. J. von Braunschweig-Wolfenbüttel die Bauern bei Frankenhausen besiegten und ein Blutbad anrichteten. Herzog Heinrich, von Luther als "Hans Wurst" verspottet, eroberte Duderstadt und übergab sie seinem Bundesgenossen Erzbischof Albrecht.
Die Stadt verlor nicht nur ihre städtische Autonomie, ihre Gilden, sie verlor auch die Gerichtsbarkeit über die fünf "Kespeldörfer" Desingerode, Esplingerode, Germershausen, Seulingen und Werxhausen, die der Landesherr für sein Amt Gieboldehausen beanspruchte. Zwar steht es in keiner Urkunde, aber es ist doch sehr wahrscheinlich, dass der entmachtete Rat mit einem großen Erweiterungsbau das alte Kophus zu dem neuen Rathaus mit hohem Dach und den Türmen ausbaute, das wir heute kennen: im Sinne eines trotzigen "jetzt erst recht".
 

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