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Amüsantes und
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Auf Sand gebaut - Pfusch am Rathausbau?
Das "Rote Buch" der Stadt, in dem rechtlich bedeutsame Regelungen und Vorgänge aus dem 15. und 16. Jahrhundert verzeichnet sind, überliefert unter dem 24. November 1531 dieses: Steinmetz Henze Vorwiß aus Northeim schwört Schultheiß, Bürgermeister und Rat der Stadt eine Urfehde. Damit akzeptiert er rechtsverbindlich seine Arrestierung und die Entlassung aus seinem Vertrag und verpflichtet sich zur Zahlung von 40 Mark als Ersatz für den der Stadt mutwillig zugefügten Schaden.
Bild: Die älteste Abbildung des Rathauses mit der 1821 abgebrochenen Treppe zum Gropenmarkt (Tabaksdose, ca. 1800)
Die älteste Abbildung des Rathauses mit der 1821 abgebrochenen Treppe zum Gropenmarkt (Tabaksdose, ca. 1800)
Archivalische Quellen und Ergebnisse der 1985 durchgeführten Bauuntersuchungen am Rathaus geben Hinweise zu den Hintergründen dieses Vorgangs:. Seit 1528 führte die Stadt umfangreiche Baumaßnahmen durch, die bis 1539 dauern sollten. Die bis dahin nebeneinander stehenden Baukörper des Rathauses am Gropenmarkt und des als Kaufhaus errichteten Saalbaus an der Marktstraße wurden durch einen Fachwerkaufbau zusammengefasst. Zugleich wurde der Rathauskomplex durch eine vorgesetzte Laube und die markanten Ecktürme des Fachwerks als repräsentativer Bau zur Marktstraße hin ausgerichtet.
Die nötigen Steinmetzarbeiten wurden an Henze Vorwiß vergeben, der ab März 1531 einen Pfeiler im Saalbau errichten und die Laube mit zwei Seitenmauern sowie Pfeilern und Bögen an der Vorderseite herstellen sollte. Bereits im Juli wurde die vereinbarte Summe von 130 Mark gezahlt und Henze Vorwiß mit weiteren Arbeiten betraut. Inzwischen wurde das Fachwerk über der Vorlaube errichtet und wenig später tauchten Probleme auf.
Auf Anforderung des Rates besichtigte im September 1531 ein Steinmetz aus Kassel die Baustelle, im November wurde Vorwiß entlassen. Seine Bürgen zahlten im Januar 1532 für den Schaden am Mauerwerk am vorderen Rathaus 30 Mark.
Im März wurde Valentin Colst aus Nordhausen beauftragt, den Schaden zu beheben und die Laube neu aufzubauen. Im Sommer 1532 ersetzte er das verdorbene Mauerwerk unter dem bereits errichteten Fachwerkaufbau. Die für die Abstützung nötigen Balken lieferte der Zimmermann Hans Weske; die Abdrücke der Stützen konnten 1985 nachgewiesen werden.
1533 wurde die Laube vom Nachfolger des verstorbenen Valentin Colst, dem Duderstädter Steinmetz Thomas Voß, fertiggestellt; bereits im November 1532 waren die ersten Schiefersteine auf die Rathaustürme gekommen.
Untersuchungen anlässlich der Rathaussanierung 1985 ergaben, dass die Wand der Laube an der Ecke Marktstraße/Gropenmarkt mit besserer Gründung neu errichtet wurde. Sehr wahrscheinlich hatte sich dort das Mauerwerk gesetzt, als die volle Last des Fachwerks darauf lag. Allerdings wird man Henze Vorwiß nicht generell Unfähigkeit vorwerfen können, sein Pfeiler im Saalbau war tadellos. 1985 stieß man bei den Arbeiten zum Einbau eines Fahrstuhls auf Grundwasser und Fließsand, womit nach rund 450 Jahren die Begründung gefunden sein dürfte, warum 1531 die offenbar dem schnellen Baufortschritt geschuldete unzureichende Gründung des Mauerwerks derartige Folgen zeitigte.

Hans-Reinhard Fricke
 

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