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Amüsantes und
Wissenswertes
Wie Herbigshagen zu Duderstadt kam
Das ehemalige Stadtgut Herbigshagen beherbergt heute das Heinz Sielmann Natur-Erlebniszentrum, das in diesen Tagen von Kultusminister Bernd Busemann zu einem der niedersächsischen Regionalen Umweltbildungszentren (RUZ) ernannt wurde. Die Heinz Sielmann Stiftung hatte das Gut 1994 von der Stadt Duderstadt gepachtet, bevor sie es 2003 kaufte. Heute ist das Gut Herbigshagen ein herausragend attraktives und beliebtes Ziel für Touristen und Einheimische.

Der Vater der eichsfeldischen Geschichtsschreibung, Kanonikus Johannes Wolf, bezeichnet in seiner Geschichte der Stadt Duderstadt von 1803 Herbigshagen als ehemaliges Rittergut, der Kämmerer der Stadt Duderstadt wusste in diesem Jahr zu unterscheiden zwischen dem Oberhof und dem Unterhof des Ratsguts Herbigshagen, deren Gebäude mit einem Versicherungswert von 600 und 550 Reichstalern in der staatlichen Feuerversicherung des Erzbistums Mainz abgesichert waren.

Bild: Stadtgut Herbigshagen um 1990
Stadtgut Herbigshagen um 1990
Die erste Erwähnung von Herbigshagen geschah um 1420 in einem Güterverzeichnis der Äbtissin von Quedlinburg. Sie besaß dort als Lehnsherrin 12 Hufen, die an die Bürger von Duderstadt als Lehnsnehmer vergeben waren. Die Hufe war ein Flächenmaß, das etwa 30 Morgen Land umfasste und in dem unser Wort "Hof" als bäuerliche Betriebseinheit steckt. Herbigshagen war damals vermutlich eine später aufgelassene Dorfsiedlung von 12 Höfen, die im 16. Jahrhundert bereits als "wüst" (siehe Exkurs) bezeichnet wird. Die ehemals selbständigen Bauernstellen gingen wohl schon vor 1500 ein und wurden zu einem Rittergut zusammengefasst. 1479 und 1481 wurde der Duderstädter Bürger Heine Müller durch die Herren von Bodenstein und von Westernhagen auch mit dem Besteuerungsrecht für die landwirtschaftliche Produktion, den Zehnten belehnt. 1496 folgte ihm im Besitz des Gutes mit allem Zubehör an Gehölzen, Wiesen, Äckern, Wasser und Fischerei der Bürger Hans Lydemann, der alles 1530 an den Rat zu Duderstadt verkaufte.
In den folgenden Jahrhunderten wurde das Gut von der Stadt Duderstadt zur landwirtschaftlichen Nutzung verpachtet, bis der letzte Pächter 1990 den Hof an die Stadt zurück gab. Vorübergehend stand das Gut danach städtischen Zwecken zur Verfügung, bis sich 1994 auf Einladung der Stadt die Heinz Sielmann Stiftung entschied, ihr Domizil auf Gut Herbigshagen zu errichten. Wenn in diesen Tagen die Stiftung ihren 10. Geburtstag begeht, dann gilt es festzustellen, dass sie in Duderstadt in ganz besonderer Weise Heimat gefunden hat und umgekehrt ein Glücksfall für die Stadt und die Region darstellt - sowohl in der Bedeutung für den Naturschutz als auch touristisch-wirtschaftlich.

Exkurs:
Wüstungen sind Orte, die während der inneren Kolonisation Deutschlands unter dem Druck steigender Bevölkerungszahlen seit dem 12. und 13. Jahrhundert entstanden waren und nach dem Rückgang der Bevölkerung nach Epidemien wie der Pest oder Notzeiten nach Kriegen wieder aufgelassen wurden, häufig wurden aber die Ackerflächen, Weiden und Wälder weiter bewirtschaftet. Zwischen Duderstadt und der Wüstung Herbigshagen gab es noch die ehemalige Siedlung Lerne oder Leeren, an die heute noch die Bezeichnung "Leerensche Rinne" erinnert. Als Rest einer Ortschaft hat sich der Rosenthaler Hof bei Westerode gehalten, völlig verschwunden sind die wüst gefallenen Orte Eidingerode und Kreterode in unmittelbarer Nachbarschaft von Duderstadt.
 

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