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Amüsantes und
Wissenswertes
Ein Schwein mit 3 Zentimeter Speck
Sie sind nicht eben häufig in deutschen Stadtarchiven anzutreffen - die "bäuerlichen Anschreibebücher". Duderstadt bildet auch hier eine Ausnahme - über nahezu vierzig Jahre mit ganz wenigen Lücken hat einer der Ackerbürger der Stadt wichtige Ereignisse des bäuerlichen Wirtschaftslebens aufgezeichnet. Es entsteht ein sehr deutliches Bild der Alltagsgeschichte einer bestimmten sozialen Schicht der Stadt.
Bild: Historischer Kalender
Historischer Kalender
Der noch nicht bekannte Autor benutzte für seine jahresweisen Aufzeichnungen einen bei dem Duderstädter Verleger und Drucker Wagner in der Steinstraße gedruckten Kalender von der Größe eines heutigen Schulhefts. Es handelt sich um ein "durchschossenes Exemplar", nach dem gedruckten folgt jeweils ein ursprünglich unbeschriebenes Blatt, das den handschriftlichen Auszeichnungen dient.

Der gedruckte Teil enthält vor allem das Kalendarium mit den Tagesheiligen, Nachrichten über Sonnenauf- und Untergang, die Bewegung des Mondes und der Planeten. Mutig erscheint die Vorhersage für das kommende Wetter über ein ganzes Jahr, die sich wohl vorwiegend auf den stets zitierten, auch heute noch bekannten "Hundertjährigen Kalender" stützt. Eine Kurzgeschichte und einige Witze oder Anekdoten vervollständigen den Band, der mit einem Kalendarium der deutschen und regionalen Messen und Jahrmärkte abschließt. Anders als in heutigen Kalendern sind allerdings Jahresberechnungen seit Erschaffung der Welt, der Völkerschlacht von Leipzig (1813) oder der Zusammenlegung der Ämter Duderstadt und Gieboldehausen angestellt worden. Auch genealogische Nachrichten vom regierenden welfischen Königshaus gibt es in heute üblichen Kalendern nicht mehr.

Die handschriftlichen Ergänzungen sind in Duderstadt entstanden, das beweisen vor allem die Ortsangaben der Äcker, Wiesen und Forstorte, die erwähnt werden: z.B. der Siebig oder der Lindenberg, oder aber auch die Namen der Geschäfts- und Handelspartner. So werden die Ferkel etwa in Westerode gekauft, Getreide vor dem Rathaus. Betrifft die Masse der Einträge vor allem die Termine von Aussaat und Ernte und die Berechnungen des gedroschenen Getreides und des erzielten Preises, so finden natürlich auch die besonderen und seltenen Ereignisse ihren schriftlichen Niederschlag - etwa wenn die alte Kuh das fünfzehnte Mal gekalbt hat oder die junge ihr erstes Kälbchen zur Welt bringt. Im Jahre 1830 wurden an einem Tag gleich zwei Schweine von 150 und 160 Pfund geschlachtet, eines hatte eine Speckschicht von drei Zentimetern, das andere von dreieinhalb. Bemerkenswert ist auch der Jahreslohn für den Kuhhirten - zwanzig Pfund Brot und für 12 Groschen Seife.
Der Autor schreibt ein fehlerfreies Deutsch in einer gefälligen, geübten Schrift, und er wird bald durch andere Quellen identifiziert werden können: denn er schrieb mit spürbarem Stolz im Juli 1830, dass er bei diesem Schützenfest Schützenkönig wurde, obwohl der erst an 74. Stelle schießen durfte.
 

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