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Amüsantes und
Wissenswertes
Brot und Hering für die Ärmsten
Sie sind heute in aller Munde und scheinen angesichts der leeren öffentlichen Kassen ein erfolgversprechendes Modell für die Lösung vielfältiger kultureller und sozialer Aufgaben: die Stiftungen. Zugleich sind sie uralt - seit dem Frühmittelalter beruht vor allem das kirchliche Leben auf Stiftungen reicher und vornehmer Familien. Aber auch im kommunalen Bereich sind bürgerliche Stiftungen bezeugt, seit es die kommunale Selbstverwaltung, privaten Reichtum und die Schriftlichkeit gibt. Der tiefste Grund dieser Stiftungen war die Sorge um das eigene Seelenheil und das Fortleben im Jenseits, der unmittelbare Stiftungszweck war oft karitativ und sozial.

In Duderstadt sind mehrere große Stiftungen seit dem Mittelalter und der frühen Neuzeit bekannt. Die Markusspende, unbestimmbaren Alters, wurde von der Kämmerei verwaltet. Im Rechnungsbuch von 1466, das noch heute im Stadtarchiv verwahrt wird, wurden die Ausgaben für ein Festmahl für die Armen der Stadt aufgezeichnet: es gab Brot und Kuchen, Bier, Äpfel, Käse, Senf, Essig, frische Fische und getrockneten Stockfisch, Honigkuchen, Petersilie und Eier.
Meist wurde eine bestimmte Menge Roggen zu Brot verbacken und an die Armen verteilt - so auch in der Spende aus der Stiftung des Hans von Sothen, die am Sonntag Laetare verteilt wurde: jeder Arme erhielt ein Brot und einen Hering.

Bild: Heilig-Geist-Spital, Neutorstraße (1991)
Heilig-Geist-Spital, Neutorstraße (1991)
Üppiger lebten die Hospitalinsassen von "St. Martini", dem Vorläufer des heutigen Krankenhauses, und dem Hospital "Zum Heiligen Geist", das bis 1632 an der Worbiser Straße vor dem Steintor lag und später am Neutor wieder aufgebaut wurde. Aus dem Zinsertrag von zwei Stiftungen der Gebrüder Lidemann - des Priesters Johann und des Ratsherrn Balthasar - die um 1550 errichtet wurden, erhielten sie einmal im Jahr je ein Schwein, das im Spital oder im Haus des Spitalverwalters gesotten oder gebraten werden sollte. Das Stiftungskapital betrug 150 Silbertaler und 70 Goldgulden. Balthasar Lidemann setzte auch eine Kleiderspende aus grauem und weißem Mühlhäuser Tuch für arme Bürgerkinder ein.
Bei der Verteilung der Markusspende gab es um 1757 ein dramatisches Unglück, als ein "ungehurer Schwarm fremder Bettler, aus weitentfernten Orten", so der Chronist Johann Wolf, im tumultartigen Kampf um die Nahrungsmittel zwei Mädchen zu Tode erdrückte. Der Magistrat beschloss daraufhin, die Stiftungserträge künftig in regelmäßige Bargeldzahlungen an die Armen der Stadt umzuwandeln - die städtischen Armenkassen (es gab vier) entstanden.
Die allmähliche Geldentwertung über Jahrhunderte und die galoppierende Inflation von 1923 haben die meisten mittelalterlichen Stiftungen zum Erlöschen gebracht, als Institutionen erinnern heute nur noch das Krankenhaus und die Kapelle St. Martini sowie das Gebäude des Spitals "Zum Heiligen Geist" daran. Der Grundgedanke bürgerlicher und institutioneller Stiftungen zum Nutzen des Gemeinwohls, heute vom Steuerrecht begünstigt, lebt aber fort.
 

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