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Amüsantes und
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Wenn Wasser krank macht - Vom Brunnen zur Wasserleitung
Wer heute ganz selbstverständlich den Wasserhahn aufdreht, denkt kaum darüber nach, wie mühsam die Wasserversorgung noch bis vor 75 Jahren war. Brauchwasser zum Straßenreinigen, Feuerlöschen und Bierbrauen bezogen die Duderstädter hauptsächlich aus der Brehme, die seit 1276 durch die Stadt geleitet wurde. Trinkwasser lieferten die zahlreichen öffentlichen Brunnen im Stadtgebiet - insgesamt 24 im Jahr 1922.
Bild: Brunnen in der Gartenstraße (heutige Christian-Blank-Straße)
Brunnen in der Gartenstraße (heutige Christian-Blank-Straße)
Ähnlich den "Pipenbrüdern" (Pipe = niederdtsch. für Rohr) in Braunschweig und Celle schlossen sich die Duderstädter zu so genannten Brunnennachbarschaften zusammen, die für Pflege und Unterhaltung der Brunnen zu sorgen hatten. Die Mitglieder entrichteten eine jährliche Brunnensteuer, den "Brunnenschlet". Verweigerte ein Bürger seinen Anteil zur Brunnenpflege, wurde ihm die Brunnennutzung untersagt. An der Spitze der rund 30 bis 40 Mitglieder zählenden Brunnennachbarschaften standen die Brunnenvorsteher, die ein Brunnenbuch führten und die Statuten überwachten.

Nach der regelmäßigen Generalreinigung der Brunnen wurde zwei bis drei Tage lang ein feucht-fröhliches "Brunnensauberfest" gefeiert, ein Brauch, der seit Ende des 16. Jahrhunderts nachweisbar ist, 1725 jedoch wegen übermäßigen Bierkonsums verboten wurde. Die Brunnennachbarschaften bestanden bis 1849, dann übernahm der Magistrat die Brunnenverwaltung.

Vom gesundheitlichen Standpunkt war die Brunnenbenutzung äußerst problematisch. Insbesondere die Abortgruben in unmittelbarer Nähe der Brunnen verunreinigten das Trinkwasser. 1918 forderte der Königl. Kreisarzt Dr. Roehrig die Schließung des verseuchten Brunnens in der Steintorstraße. Auch die Analyse der Landesanstalt für Wasserhygiene 1922 war niederschmetternd: Sämtliche Wasserproben von 19 unter-suchten Brunnen wiesen Verunreinigungen auf. Mit 585 Kolibakterien in 10 ccm Wasser war der Brunnen an der Unterkirche am stärksten belastet, die höchste Keimzahl wurde in einem Brunnen der Hinterstraße gemessen.

Eine wiederholte Typhusepidemie 1922 mit 22 Todesfällen brachte schließlich den schon lange geforderten Bau einer zentralen Wasserleitung für die Stadt und den Kreis Duderstadt in Gang. Mit dem ersten Spatenstich am 2. August 1926 bei Ecklingerode begann der Bau der Anlage durch die Bremer Firma Carl Francke. Das Stadtrohrnetz war 1928 fertiggestellt und wurde euphorisch gefeiert - mit einem "Wasserleitungsball" im Schützenhaus.

Maria Hauff
 

Stadt Duderstadt
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