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Amüsantes und
Wissenswertes
Die Zunge des Hl. Nepomuk
Im Heimatmuseum Duderstadt, das seit 01. April wieder geöffnet ist, findet der aufmerksame Besucher viele Besonderheiten, aber auch ein wenig Skurriles. "Die Zunge ist ja eklig" tönte es da unlängst aus einem Kindermund. Das Mädchen hatte in der Abteilung Kirchenkunst im obersten Stockwerk das ausgestellte Reliquiar mit der "Zunge" des Hl. Johannes von Nepomuk entdeckt.
Bild: Reliquiar mit "Zunge" des Hl. Johannes von Nepomuk
Reliquiar mit "Zunge" des Hl. Johannes von Nepomuk
In diesem 18 x 15 cm kleinen Andachtsbild aus dem Jahr 1750, das ursprünglich aus dem Kloster Gerode stammt, befindet sich tatsächlich in der Mitte eine Wachsnachbildung der vermeintlichen Zunge des Hl. Nepomuk, kunstvoll gestaltet und umrahmt von vier kleinen Reliquien (lat.: Überbleibsel) verschiedener Heiliger.

Solch ein Reliquiar als Ausdruck der religiösen Volkskunst und -frömmigkeit ist im Grunde nichts Ungewöhnliches. Der Reliquienkult, eine sehr alte Form der Heiligenverehrung, beruht auf dem Glauben, dass der Asche und den Gebeinen von Heiligen, aber auch den von ihnen gebrauchten Gegenständen eine Kraft innewohnt, die sich bei Anblick oder Berührung auf den Gläubigen überträgt. Warum aber wird im Falle des Hl. Nepomuk gerade die Zunge so besonders verehrt?

Johannes von Nepomuk wurde in Pomuk (Böhmen) um 1350 geboren. Seit 1389 war er Generalvikar des Erzbischofs von Prag. Sein energisches Auftreten für die Rechte der Kirche gegenüber dem König machte ihn beim Volk berühmt und dem König lästig. Als König Wenzel wissen wollte, welche Sünden seine Frau begangen hatte, verweigerte Johannes von Nepomuk standhaft den Bruch des Beichtgeheimnisses. Daraufhin wurde er gefoltert und 1393 von der Moldaubrücke in den Fluss gestoßen. Sein Leichnam liegt im Prager Dom bestattet. Schon bald als Märtyrer verehrt, fand man 1719 bei der Öffnung des Grabes Gebeine und Zunge unversehrt. Der Hl. Nepomuk gilt seitdem als Brückenheiliger sowie als Patron all derer, die sich in Wassernot befinden oder unter übler Nachrede leiden. 1729 wurde er heilig gesprochen. Fünf Jahre zuvor bereits vollendete Ernst Merten die Duderstädter Nepomuk-Statue, die lange in der Neutorstraße am ehemaligen Liebfrauen-Teich gegenüber dem Ursulinenkloster stand, bis sie 1954 ihren heutigen Standort bei der Kirche St. Cyriakus erhielt.

Bei einer erneuten Öffnung des Nepomuk-Grabes im Jahr 1972 wurde die vermeintliche Zunge übrigens als ein Stück des Gehirns identifiziert. Zugegeben, ein wenig eklig ist die Geschichte schon!

Dr. Bettina Bommer
 

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