Logo
Amüsantes und
Wissenswertes
Juden in Duderstadt in sechs Jahrhunderten
Am Vorabend des Gedenktages für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde vom Rat der Stadt ein Kranz am ehemaligen jüdischen Friedhof niedergelegt und gleichzeitig eine Gedenktafel von Stadt und St.-Ursula-Schule enthüllt.

Auf dem Friedhof am Gänseweg hinter dem St. Martini Krankenhaus stehen seit 1953 drei Säulen mit 86 Namen von Juden, die in Duderstadt zwischen 1832 und 1938 begraben worden sind. Der Friedhof war Eigentum der Duderstädter jüdischen Gemeinde, die 1942 mit dem Abtransport der letzten in Duderstadt lebenden sechs Gemeindeangehörigen ausgelöscht worden ist. Heute ist er Eigentum des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden Niedersachsens und wird von der Stadt Duderstadt gepflegt. Das Datum der Anlegung des Friedhofs (vor 1870) ist ebenso unbekannt wie das genaue Jahr seiner Schändung (nach 1942) durch die Zerstörung der Grabsteine.

Foto: Geschäftshaus Cohn, Untere Marktstraße, vor 1915
Geschäftshaus Cohn, Untere Marktstraße, vor 1915
Die jüngere jüdische Gemeinde Duderstadts entstand 1812 und bestand aus fünf Familien, die zur Zeit des Königreichs Westphalen zugezogen waren. Weiterer Zuwanderung wirkten Magistrat und Bürger lange entgegen, bis nach 1867 im Königreich Preußen die Freizügigkeit hergestellt wurde. Danach blühte die Gemeinde auf, gab sich eine Gemeindeverfassung, stellte einen Lehrer an und erbaute 1898 eine Synagoge mit Schule und Lehrerwohnung in der Christian-Blank-Straße. Damals lebten über 25 jüdische Familien in der Stadt, die meisten von ihnen Kaufleute. Die Synagoge wurde im November 1938 durch Brandstiftung zerstört, gleichzeitig fanden auf der Marktstraße Plünderungen in den beiden letzten jüdischen Geschäften statt. Nur wenige Bürger, wie der nationalkonservative Justizrat Schmidt fanden den Mut, dagegen zu protestieren. An den Ort der Synagoge erinnert ein 1984 errichteter Gedenkstein auf dem Wall.

Juden lebten in Duderstadt seit 1314, als sie in der Stadt sogar das Bürgerrecht genossen. Sie zahlten keine Steuern, aber ein besonderes Schutzgeld, ihre Schutzbriefe, d.h. ihr Aufenthaltsrecht, war prinzipiell befristet. In der Mitte des 15. Jahrhunderts lebten in Duderstadt 12 jüdische Familien. An die mittelalterliche Gemeinde erinnert heute nur noch die Jüdenstraße, in der es auch eine Synagoge gab, und einige Pergamentfragmente mit hebräischen Schriftzeichen im Stadtarchiv. Im Jahre 1507 verkauften die beiden letzten Duderstädter Juden, vielleicht aufgrund eines Ausweisungsbeschlusses, ihre Häuser am Gropenmarkt und am inneren Obertor. Die Erlaubnis von Hausbesitz deutet auf ein günstiges Judenrecht der Stadt hin. Nach 1507 gab es in Duderstadt für mehr als 300 Jahre keine ortsansässigen Juden mehr.
 

Stadt Duderstadt
https://www.duderstadt.de


1075 Jahre Duderstadt
1075 Jahre Duderstadt
Veranstaltungen
[22.06.2018 - 23.09.2018]Dem Vergessen entrissen!
[20.09.2018 19:30 Uhr]Geschichten von Menschen und Zügen
[21.09.2018 21:00 Uhr]Erlebnisführung "Laterne, Horn und Hellebarde"
[22.09.2018 14:30 Uhr]Auf ein Stündchen mit dem Scharfrichter
[24.09.2018 09:00 Uhr - 15:00 Uhr]Karriereberatung der Bundeswehr
SuchenVeranstaltungenWeitere Termine